Hinter den Kulissen

An dieser Stelle geben wir regelmäßig Einblicke hinter die Kulissen des Landestheaters.
Den Anfang macht ein Künstlerportrait des Regisseurs Malte Kreutzfeldt

Malte KreutzfeldtImmer wieder gern in Detmold: der freie Regisseur Malte Kreutzfeldt. (Foto © Annette Schaefer)

Malte Kreutzfeldt: Ein Berliner schwärmt von der Detmolder Bühne

Wenn Regisseur Malte Kreutzfeldt in Detmold inszeniert, ist das für ihn eine Art Rückkehr in den Schoß der Familie. Nicht nur wegen des eindrucksvollen Theaterraumes oder des „tollen Schauspielensembles“ arbeitet der Berliner gern in der Residenzstadt; das auch - doch zudem vermittelt dieser Ort in der Provinz dem Großstadtmenschen ein Gefühl der Geborgenheit. Das kommt nicht von ungefähr: Kreutzfeldt, Jahrgang 1969, trifft hier auf Menschen, mit denen er vor mehr als fünfzehn Jahren seine Karriere am Nordharzer Städtebund-Theater in Quedlinburg und Halberstadt gestartet hat und die er bis heute überaus schätzt. Intendant Kay Metzger ist darunter,  Chefdramaturg Christian Katzschmann oder die Schauspieler Kerstin und Henry Klinder. 

Doch der gut sechswöchige Aufenthalt zwecks Einstudierung eines neuen Stückes für das große Haus – diesmal ist es die Dreiecksgeschichte „Totentanz“ von August Strindberg – ist keineswegs nur ein Klassentreffen. Es handelt sich, ganz im Gegenteil, um knochenharte Arbeit - für Kreutzfeldt selbst und sein Team, ganz besonders aber für die Schauspieler. Dabei kommt allen Beteiligten diesmal zugute, dass man sich schon von dem vorherigen Gastspiel des Regisseurs kennt. Sowohl Ewa Rataj als auch Henry Klinder und Markus Hottgenroth waren bei Falladas „Kleiner Mann, was nun?“ bereits dabei - und lieferten mit allen anderen, wie nicht nur die Lippische Landes-Zeitung fand, eine „großartige Leistung“ ab.

Kreutzfeldt, der auch regelmäßig an größeren Bühnen wie dem Staatstheater Darmstadt arbeitet, mag die Atmosphäre in Detmold, schätzt die relativ flachen Hierarchien: „Hier weiß ich noch, wie die Mitarbeiter im Malsaal heißen. Hier sind die Wege kurz, die Auseinandersetzungen über das jeweilige Stück direkt und klar. Ich mag das sehr.“ Und dass in Detmold nicht gerade das Nachtleben boomt, ist für Kreutzfeldt ohnehin kein Problem. Die intensiven Proben, die oft bis in den späten Abend gehen können, erfordern über Wochen die volle Konzentration.

Dass es diesmal Strindberg ist, lag für den Berliner nicht unbedingt auf der Hand. Die Idee kam von der Intendanz. Inzwischen ist er Feuer und Flamme für dieses Projekt: „Ich komme oft zu einem besseren Ergebnis, wenn ich mich an einem Stück, an einem Thema reibe.“ Dennoch bleibt der Respekt: „'Totentanz' gehört zu den schwersten Stücken, die ich jemals gemacht habe.“ 

Seit den gemeinsamen Tagen in Halberstadt arbeitet Kreutzfeldt ausschließlich als freier Regisseur und reist von Theater zu Theater. Das Wissen, dass man nach sechs Wochen wieder geht, sei der Leistung aller Beteiligten förderlich, ist er überzeugt: Routine stelle sich nicht ein, und die künstlerische Auseinandersetzung bleibe „entschieden, aber liebevoll“, wie er sagt. 

Es ist beinahe unmöglich, in einem Gespräch mit Kreutzfeldt nicht an irgendeinem Punkt auf Shakespeare zu sprechen zu kommen. Dessen Stücke, zuallererst "Hamlet", hält er für „universell gültig“ wie die kaum jemandes anderen. Gerade erst hat der Regisseur in Chemnitz „Richard der Dritte“ in Szene gesetzt – also jenes Königsdrama, mit dem Lars Eidinger an der Berliner Schaubühne beinahe sämtliche Feuilletonisten in Schnappatmung versetzt. Kreutzfeldt hat für die Aktualität dieses Stoffes eine frappierend einfache Erklärung: „Das Stück spielt unmittelbar nach einem Krieg, in den Wirren um die Neuordnung der Macht. Es beinhaltet die unausgesprochene Warnung, wie der Krieg auf den Menschen wirkt.“ 

Besser kann man nicht verdeutlichen, wozu wir gutes Theater brauchen.

Weitere Informationen zur Aufführung des Stückes „Der Totentanz“ unter http://www.landestheater-detmold.de/programmtickets/repertoire/details/titel/totentanz.html